Bäume für Burkina Faso

Nachhaltigkeit kennt keine Grenzen – nach diesem Motto werden die 35.000 Euro Preisgeld, die Ludwigsburg als Deutschlands nachhaltigste Stadt mittlerer Größe 2014 von der Allianz Umweltstiftung gewonnen hat, für ein Projekt zum Schutz des Bam-Sees in Burkina Faso eingesetzt. Die am Bam-See gelegene Stadt Kongoussi und Ludwigsburg unterhalten eine Klima-Partnerschaft. 

Berlin, 27. Oktober 2015
Besiegelten die Verwendung des Preisgeldes für Aufforstungen am Bam-See: Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec (Mitte) und Stiftungsvorstand Dr. Lutz Spandau (2.v.l.) mit Oskar Sawadogo aus Kongoussi (rechts) und weiteren Projektpartnern aus Burkina Faso.
Besiegelten die Verwendung des Preisgeldes für Aufforstungen am Bam-See: Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec (Mitte) und Stiftungsvorstand Dr. Lutz Spandau (2.v.l.) mit Oskar Sawadogo aus Kongoussi (rechts) und weiteren Projektpartnern aus Burkina Faso.

Partnerschaft mit Tradition

Seit 2006 besteht zwischen Ludwigsburg, seiner französischen Partnerstadt Montbéliard und der Stadt Kongoussi in Burkina Faso eine trilaterale Kooperation. Die beiden europäischen Städte engagieren sich damit in einem der ärmsten Länder Afrikas. Kongoussi liegt in der Sahelzone im Norden Burkina Fasos und umfasst auch 57 Weiler sowie Dörfer mit insgesamt rund 70.000 Einwohnern. Im Stadtkern leben rund 33.000 Menschen.

Im Rahmen der Kooperation konnten mit Mitteln aus Ludwigsburg bisher eine Grundschule, ein Ausbildungszentrum für Pumpenbauer und Zweiradmechaniker sowie zuletzt ein Nähatelier errichtet werden.

Klima-Partnerschaft Ludwigsburg - Kongoussi 

2014 wurde die Zusammenarbeit um eine Klimapartnerschaft zwischen Ludwigsburg und Kongoussi erweitert. Diese Kooperation ist eine der ersten von 50 geplanten und von der Bundesregierung geförderten Klimapartnerschaften zwischen afrikanischen und deutschen Städten. Ziel ist zum einen, die besonderen Herausforderungen zu identifizieren, die sich durch den Klimawandel in der jeweiligen afrikanischen Stadt ergeben. Zum anderen sollen aber auch Projekte und Handlungsprogramme zur Klimaanpassung entwickelt und vor allem auch umgesetzt werden.

Anfang Januar und im Juli 2015 besuchte eine Arbeitsgruppe aus Ludwigsburg Kongoussi sowie Ouagadougou, Burkina Fasos Hauptstadt. In mehreren Workshops und Gesprächen wurden die wichtigsten Problemfelder identifiziert und erste mögliche Projekte entwickelt – unter anderem eines zum Schutz des Bam-Sees.

Der Bam-See in Burkina Faso: Entlang seines Ufers soll ein etwa 10 Kilometer langer und etwa 100 Meter breiter Schutzstreifen angelegt werden. (Foto: Stadt Ludwigsburg)
Der Bam-See in Burkina Faso: Entlang seines Ufers soll ein etwa 10 Kilometer langer und etwa 100 Meter breiter Schutzstreifen angelegt werden. (Foto: Stadt Ludwigsburg)

Bam-See in Not

Der Bam-See ist einer der größten des Landes und wichtige Lebensgrundlage für die gesamten ihn umgebenden Region Bam. Mit einer Fläche von ca. 22 Quadratkilometern (bei Wasserhöchststand) ist er sowohl Trinkwasserquelle als auch Grundlage für den Fischfang und die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen.

Allerdings hat sich der Zustand des Bam-Sees in den letzten Jahren stark verschlechtert. Vor allem der Verlust von Ufervegetation und als Folge das Einschwemmen von Boden nach Niederschlägen haben zu einer fortschreitenden Verlandung und in der Folge zu einem Rückgang des Fassungsvermögens geführt – was wiederum negative Auswirkungen auf die Wasserqualität hat. Die prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels auf die Region werden dieses Problem wahrscheinlich zusätzlich verschärfen.

Hilfe für den Bam-See

Die Situation des Bam-Sees soll im kommenden Jahr mit einem Uferschutz-Projekt grundlegend verbessert werden: Entlang einer etwa 10 Kilometer langen Uferlinie die zum Stadtgebiet Kongoussis gehört wird ein 100 Meter breiter Schutzstreifen ausgewiesen, in dem die Pflanzung von Schilf und Mangrovenbäumen vorgesehen ist. Nach und nach soll sich dort wieder eine natürliche Ufervegetation entwickeln und als „grüner Puffer“ gegen Einschwemmung von Boden fungieren. Direkt an den Schutzstreifen anschließend wird zusätzlich ein Gehölzstreifen angelegt, der zur Hälfte aus Obstbäumen bestehen soll.

Die Schutzmaßnahmen wurden bereits vor einigen Jahren in einer Studie entwickelt und können nun vollständig aus dem Preisgeld finanziert werden, das Ludwigsburg 2014 als Deutschlands nachhaltigste Stadt mittlerer Größe von der Allianz Umweltstiftung gewonnen hat. Das Projekt wird durch ein breit angelegtes Informations- und Umweltbildungsprogramm begleitet, in das alle Bevölkerungsgruppen einbezogen sind.

Dank an die Allianz Umweltstiftung

Letzte Woche wurde das Vorhaben bei einem Pressetermin offizielle bekannt gegeben und das Preisgeld symbolisch an eine Delegation aus Kongoussi übergeben. Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec dankte dabei besonders der Allianz Umweltstiftung, die es unkompliziert ermöglicht habe, das Preisgeld der Stadt Ludwigsburg für das Projekt in Burkina Faso zu verwenden. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Herausforderungen seien Projekte wie dieses ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation in den Herkunftsländern von Flüchtlingen.

Dr. Lutz Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, zeigte begeistert von der internationalen Zusammenarbeit. Das Projekt zum Schutz des Bam-Sees sei ein Musterbeispiel für vorausschauende Nachhaltigkeit. „Wir freuen uns, mit dem Preisgeld auch bei internationalen Nachhaltigkeits-Projekten Impulse geben zu können,“ so Spandau.

Ehrenbürgerwürde für Bürgermeister und Stiftungsvorstand

Oskar Sawadogo, Präsident der NGO „Association Zood Nooma pour le développement“ und ehemaliger Bürgermeister Kongoussis, bedankte sich bei Stadt und Stiftung für deren Engagement und zeigte sich überzeugt, dass mit dem Schutzprojekt eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität des Bam-Sees erreicht und damit eine wichtige Lebensgrundlage der Bevölkerung geschützt werden könne. Als Zeichen seiner Dankbarkeit ernannte er Oberbürgermeister Spec und Stiftungsvorstand Spandau zu Ehrenbürgern der Stadt Kongoussi und überreichte ihnen einen Landeswappen-Sticker.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis für Städte und Gemeinden

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis wird seit 2012 jährlich von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V. in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag, dem Städte- und Gemeindebund und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung vergeben. Ausgezeichnet werden je eine Klein-, Mittel- und Großstadt, die im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten eine nachhaltige Stadtentwicklung betreiben und damit in besonderer Weise den Gedanken einer zukunftsfähigen Gesellschaft fördern.

Die drei Sieger erhalten von der Allianz Umweltstiftung jeweils 35.000 Euro Preisgeld zur Umsetzung beispielgebender Nachhaltigkeitsprojekte. Der Preis will die Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden bestärken und soll dazu beitragen, das Thema Nachhaltigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung besser zu verankern.