Orientierung im Wald

Lernort Natur – so lautet ein Projekt zur Berufsorientierung in Eberswalde im Landkreis Barnim. Heranwachsende aus Deutschland sowie Geflüchtete aus Somalia und Eritrea können sich hier in grünen Berufen bewähren und damit neue Berufschancen erarbeiten. Letzte Woche öffnete das von der Allianz Umweltstiftung unterstützte Projekt an einem Tag der offenen Tür seine Pforten.

Berlin, 1. Juni 2016
Wollen sich im Wald für eine weitere berufliche Tätigkeit qualifizieren: Die Teilnehmer des Berufsorientierungsprojektes "Lernort Natur" mit ihren Ausbildern und Betreuern.
Wollen sich im Wald für eine weitere berufliche Tätigkeit qualifizieren: Die Teilnehmer des Berufsorientierungsprojektes "Lernort Natur" mit ihren Ausbildern und Betreuern.

Lernort Natur

Sie decken das Dach des alten Forstschreiberhauses, bauen ein überdachtes Holzlager oder mähen Waldwiesen – beim Tag der offenen Tür am letzten Freitag zeigten die Teilnehmer des Berufsorientierungsprojektes "Lernort Natur" ihre aktuellen Einsatzstellen. Die vorgestellten und viele andere Tätigkeiten aus den Bereichen Forstwirtschaft, Zimmerei, Tischlerei sowie Garten- und Landschaftsbau sind Bestandteil eines Berufsorientierungskurses für eine Gruppe Heranwachsender aus Deutschland, sowie Geflüchteten aus Somalia und Eritrea.

Betreut von Fachleuten und Sozialpädagogen gewinnen die Teilnehmer durch die Arbeiten einen Einblick in die jeweiligen Berufsbilder, können vor allem aber zeigen, dass sie tatsächlich arbeiten möchten. Im Lauf des einjährigen Lehrgangs haben sie darüber hinaus die Möglichkeit, verschiedene Maschinenscheine zu erwerben, z. B. für die Arbeit mit Motorsägen oder Freischneidern – ein großes Plus bei späteren Bewerbungen. Für die Geflüchteten werden zusätzlich begleitende Sprachkurse angeboten.

Kooperationsprojekt

Das Projekt "Lernort Natur" ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung WaldWelten in Eberswalde und der Allianz Umweltstiftung in Berlin. Die "Einsatzgebiete" der Teilnehmer sind ein 145 Hektar großes Waldstück bei Eberswalde, ein historisches Forstschreiberhaus und der Forstbotanische Garten Eberswalde. Forstschreiberhaus und Wald werden von der Stiftung WaldWelten zur Verfügung gestellt, der Forstbotanische Garten von der in Eberswalde beheimateten Hochschule für nachhaltige Entwicklung. Ein Kurs dauert dabei ein Jahr, derzeit ist eine Projektlaufzeit von vier Jahren geplant. 

Neue Wege in der Umweltbildung

"Wir möchten mit diesem Projekt neue Wege der Umweltbildung beschreiten," sagte Dr. Lutz Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, beim Tag der offenen Tür. "Das Arbeiten und das Erleben in der Natur soll den Teilnehmern Perspektiven für eine eigene, verantwortungsvolle Lebensgestaltung aufzeigen."

Prof. Dr. Harald Schill, Präsident der Stiftung WaldWelten, ergänzte: "Die Teilnehmer erfahren im Rahmen des Projektes Berufskompetenz. Und das sollte sich anschließend bei der Suche nach Ausbildungs- oder Arbeitsplatz positiv bemerkbar machen."

Deshalb werden parallel zum Projekt bereits Kontakte in Betriebe der Region geknüpft, um den einen oder anderen Teilnehmer in Ausbildung zu bringen. Nach Auskunft von Karin Siegmund, Geschäftsführerin der Stiftung WaldWelten, bieten sich für die älteren Teilnehmer Praktika an, für die jüngeren eine schulische Laufbahn. Und Siegmund ist sehr hoffnungsvoll: "In den letzten Monaten ist bei den Teilnehmern viel Motivation entstanden, im Anschluss an das Projekt eine Ausbildung zu beginnen."

Auch Waldwiesen brauchen Pflege: Mit Freischneidern werden die Flächen zwischen kleinen Bäumen gemäht.
Auch Waldwiesen brauchen Pflege: Mit Freischneidern werden die Flächen zwischen kleinen Bäumen gemäht.
Arbeiten gemeinsam an der Renovierung des denkmalgeschützten Forstschreiberhauses: Teilnehmer aus Somalia und Deutschland.
Arbeiten gemeinsam an der Renovierung des denkmalgeschützten Forstschreiberhauses: Teilnehmer aus Somalia und Deutschland.