Ein Jüdischer Garten für Berlin

Aller guten Dinge sind drei – nach diesem Motto unterstützt die Allianz Umweltstiftung in den Gärten der Welt im Berliner Erholungspark Marzahn die Errichtung eines Jüdischen Gartens. Bereits der Islamische und Christliche Garten entstanden mit Hilfe der Stiftung. Nun wurde der Gestaltungswettbewerb für den Jüdischen Garten entschieden.

Berlin, 12. November 2018

Gärten der Welt

Die Gärten der Welt im Berliner Erholungspark Marzahn sind eine Erfolgsgeschichte. Hier lässt sich internationale Gartenkunst verschiedener Epochen und Regionen eindrucksvoll, vielfältig und direkt nebeneinander erleben. Jahrtausende alte Traditionen treffen hier auf zeitgenössische Landschaftskunst aus fünf Kontinenten. Zehn traditionelle Themengärten, neun zeitgenössische Gartenkabinette und zahlreiche weitere Attraktionen laden zu einer gärtnerischen Welt- und Zeitreise ein.

Gärten der Weltreligionen

Auch die Weltreligionen und Weltanschauungen haben in den Gärten der Welt ihren Platz. Neben dem Christlichen und Islamischen Garten finden sich ein Balinesischer (Hinduismus), Koreanischer (Schamanismus, Buddhismus), Japanischer (Zen-Buddhismus) und ein Chinesischer Garten (Konfuzianismus). 2019 sollen sie durch einen Jüdischen Garten ergänzt werden.

Wettbewerb Jüdischer Garten

Da keine historisch dokumentierte Tradition jüdischer Gartenanlagen besteht, fehlten gestalterische Vorlagen. Deshalb wurde ein Wettbewerb ausgelobt, in dem Landschaftsarchitekten und Künstler über die Auseinandersetzung mit dem spezifisch jüdischen Naturverständnis verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten entwickelten.

Am 31. Oktober tagte die Wettbewerbsjury, legte die folgende Reihenfolge fest und empfahl, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit zu realisieren.

  • 1. Preis: Atelier le balto Landschaftsarchitekten. Künstler: Manfred Pernice, Wilfried Kuehn
  • 2. Preis: DnD Landschaftsplanung. Künstlerin: Catherine Ludwig
  • 3. Preis: Topotek 1, Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH. Künstlerinnen: Yael Moria Klain, Hila Cohen Schneiderman

Siegerentwurf

Der Siegerentwurf gestaltet den etwa 1.000 Quadratmeter großen Jüdischen Garten als großflächigen, netzartig angelegten Nutz- und Schaugarten, der sich der Umgebung öffnet und mit ihr im Dialog steht. Eingebettet in ein Netz aus Wegen und kleinen Platzflächen liegen Felder unterschiedlicher Größe und Form, in denen Pflanzen, die zur Geschichte der Berliner Juden gehören, ihren Ort finden sollen. An zwei Begegnungspunkten im Wegenetz sind Pavillons geplant, die als Aufenthaltsangebot genutzt und zu Veranstaltungsorten erweitert werden können.

Der Siegerentwurf: zwei Pavillons, Pflanzflächen und ein Netz aus Wegen.
Freuten sich über die Auszeichnung Eschweilers als Deutschlands nachhaltigste Stadt mittlerer Größe (v.l.n.r.): Stefan Schulze-Hausmann (Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V.), Bürgermeister Rudi Bertram und Dr. Lutz Spandau (Vorstand Allianz Umweltstiftung).

Begleitung durch Experten

Bereits im Vorfeld des Wettbewerbs wurden auf Empfehlung des Zentralrats der Juden in Deutschland verschiedene Vertreter des jüdischen Kulturkreises in ein Expertengremium eingeladen. Dieses Gremium begleitete die Entwicklung der Aufgabenstellung sowie den Verlauf des Wettbewerbs mit fachlicher Expertise und war auch in der Wettbewerbsjury vertreten.

Allianz Umweltstiftung als Initiator und Förderer

Die Initiative zur Anlage des Jüdischen Gartens kam von der Allianz Umweltstiftung, die gemeinsam mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Axel Springer Stiftung Fördermittelgeberin für das Wettbewerbsverfahren war. Insgesamt hat die Allianz Umweltstiftung 250.000 Euro für das Projekt bewilligt.

Der Jüdische Garten ist bereits das dritte von der Allianz Umweltstiftung unterstützte Projekt in den Gärten der Welt. Auch der Islamische und der Christliche Garten wurden auf Initiative und mit Unterstützung der Stiftung errichtet.

Islamischer Garten

Der Islamische Garten ist von einer hohen Mauer umgeben und, den orientalischen Vorbildern entsprechend, geometrisch gegliedert: Ein Pavillon mit Brunnenschale bildet das Zentrum, Wasserbecken mit Fontänen die Hauptachsen und in vier üppig bepflanzten Beeten findet sich eine Vielfalt von Farben und Düften. Der Garten wurde im Juli 2005 an die Öffentlichkeit übergeben. Im August 2007 vervollständigte man den Islamischen Garten mit einem Empfangsgebäude, dem "Saal der Empfänge", zu einem orientalischen Gesamtensemble. Damit entspricht der Garten den in der arabischen Welt üblichen Vorbildern, bei denen sich der Garten immer innerhalb eines großen Gebäudekomplexes oder direkt daran angrenzend befindet.

Christlicher Garten

Der Christliche Garten eröffnete im April 2011. Abgeleitet von der Urform der Christlichen Gärten, dem klösterlichen Kreuzgang, ist in den Gärten der Welt ein "moderner" Klostergarten entstanden: Eine quadratische Gartenfläche mit einem Wegekreuz aus hellem Kies, Pflanzflächen aus Stechpalmen und weiß blühenden Stauden sowie einem Wasserbecken – als Symbol für das Wasser als Quelle des Lebens.

Hauptattraktion des Christlichen Gartens ist aber der Wandelgang: Seine Wände und die Decke bestehen aus zahllosen Buchstaben, die sich bei genauer Betrachtung als Zitate entpuppen – von Bibelversen des Alten und Neuen Testaments über Zitate von Goethe und Luther bis zu Textzeilen aus dem Popsong "Wind of Change" der Scorpions. Damit wird daran erinnert, dass das Christentum eine Religion der Bücher und der Schrift ist.

 

Abbildung Wettbewerbsplan: Atelier le balto Landschaftsarchitekten