Kultur auf dem Weg zur nachhaltigen Entwicklung

Sind die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz kulturelle Projekte? Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf unser Umweltbewusstsein? Stellt die Krise auch eine Chance dar? Über diese Fragen diskutieren Esra Küçük und Harald Welzer im Rahmen der Gesprächsreihe „Kultur und Nachhaltigkeit“ der Stiftung Genshagen in Kooperation mit der Allianz Umweltstiftung. Das Gesprächsvideo ist jetzt auf der gleichnamigen Webplattform online.

Berlin, 10. Dezember 2020
Diskutierten über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Umwelt und Kultur: Stiftungsvorstand Esra Küçük (links) und Sozialpsychologe Prof. Harald Welzer.

Stillstand als Chance?

"Kunst und Kultur auf dem Weg zur nachhaltigen Entwicklung?" – so lautet der Titel eines Gesprächs, das Esra Küçük und Prof. Harald Welzer für die Webplattform "Kultur und Nachhaltigkeit" der Stiftung Genshagen führten. Küçük ist Vorstand der Allianz Umweltstiftung und geschäftsführendes Mitglied des Stiftungsrates der Allianz Kulturstiftung, Prof. Welzer Soziologe, Sozialpsychologe und Direktor der Stiftung "Futurzwei. Stiftung Zukunftsfähigkeit".

Esra Küçük sieht den Corona-Stillstand auch als Chance. 

Ausgangspunkt des Gesprächs waren die Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Zuge der Corona-Pandemie. Laut Küçük stellten diese vor allem für den Kulturbetrieb eine große Herausforderung dar. Der Stillstand im Zuge der Covid-19-Situation könnte auch eine Chance darstellen, um innezuhalten und darüber nachzudenken, was wir als Gesellschaft brauchen und was nicht. Die letzten Monate hätten gezeigt, dass es möglich ist, Dinge anders zu tun. Dies wiederum könne die Debatte um Umweltschutz und Klimawandel befeuern.

Bewusstseinswandel durch Kunst und Kultur

Woran Umweltverbände seit Jahrzehnten arbeiten, hat uns die Pandemie, laut Küçük, vor Augen geführt: Sie habe das Bewusstsein dafür geschärft, dass das Verhalten jedes Einzelnen Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft hat und wir alle voneinander abhängig sind. Dieses Bewusstsein, dass kollektives Handeln möglich ist, könne nun eventuell auch zur Bewältigung der Klimakrise genutzt werden. Dabei betrachtet Küçük Nachhaltigkeit auch als ein kulturelles Projekt und reflektiert, wie wir durch Kultur einen Bewusstseinswandel für ein ressourcenschonendes Zusammenleben erzeugen können.

Prof. Harald Welzer würde den Begriff "Anthropozän" gerne durch "Kapitalozän" oder "Knetozän" ersetzen.

Aufbruch wohin?

Auch Prof. Welzer plädiert dafür, die derzeitige Pandemie-Situation als Chance zu nutzen: Die Gestaltungsaufgabe für das 21. Jahrhundert bestehe darin, ein "kulturell attraktives Umbauprojekt" zu entwickeln, indem eine erfolgreiche Wirtschaftsform mit einem ressourcenschonenden Naturverhältnis in Eintracht gebracht wird. Derzeit bestehe nach seinen Worten nur die wenig greifbare Vision der "Null-Emissionen". "Wir reden nie darüber, wie denn die Welt ist, in die man aufbrechen soll, an welchen Stellen sie viel besser ist", so Welzer, denn "es ist Unfug, das Klima selbst schützen zu wollen. Dem Klima ist es egal, ob es wärmer oder kälter wird. Genaugenommen geht es immer um uns, es geht um die Frage, wie können zivilisatorische Errungenschaften wie Freiheitlichkeit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte unter sich verschlechternden Umweltbedingungen gesichert werden."

In der Mediathek

Das vollständige Gespräch finden Sie unter folgendem Link:

-> "Kunst und Kultur auf dem Weg zur nachhaltigen Entwicklung?"

 

Kultur und Nachhaltigkeit

Wie setzen sich Kunst, Kultur und Kulturelle Bildung mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinander? Welchen Beitrag liefern sie im Nachhaltigkeitsdiskurs und wie sehen sie ihre Verantwortung für nachhaltige Entwicklung? Inwieweit kann Kulturpolitik auf EU- und auf Länderebene nachhaltige Entwicklung ermöglichen, begleiten, fördern? Mit diesen Fragen befasst sich von 15. Oktober bis 31. Dezember 2020 im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft die Webplattform "Kultur und Nachhaltigkeit" der Stiftung Genshagen.