Lutter ans Licht

Seit Ende des 19. Jahrhunderts führte die Lutter in Bielefeld ein Schattendasein – verrohrt, unter die Erde verbannt und fast vergessen. Mit Unterstützung der Allianz Umweltstiftung wird das Flüsschen nun auf einer Länge von zunächst 600 Metern wieder an die Oberfläche gebracht. Am 8. September erfolgte die symbolische Grundsteinlegung.

Berlin/Bielefeld, 11. September 2020
Noch nur Beton, bald ein urbanes Stadtflüsschen: Baubeginn für die Wiederöffnung der Lutter in der Ravensberger Straße. (Foto: Thomas F. Starke) 

Alles Beton?

"Beton – es kommt darauf an, was man daraus macht" – an diesen Werbespruch der Baustoffindustrie konnte man sich beim offiziellen Baustart der Lutter-Freilegung in Bielefeld erinnert fühlen. Denn quasi als "Grundsteine" wurden hier die ersten Beton-Fertigteile eingesetzt, in denen die Lutter, Bielefelds wichtigstes Fließgewässer, bald wieder als solches erlebbar werden soll. Mehr als 40 Anwohner, Politiker, Planer und am Bau Beteiligte waren dazu am vergangenen Dienstag in die Ravensberger Straße gekommen.

Natursteine, Kies und Pflanzen!

Auf einer Länge von etwa 600 Metern wird die Ravensberger Straße in den nächsten Monaten abschnittsweise umgestaltet, im Frühjahr 2021 soll die Lutter dann wieder oberirdisch durch die Straße fließen. Die Wände der Betonteile werden vorher noch mit Natursteinen verkleidet sowie Steine, Kies und Pflanzen in die Sohle eingebracht. Sitzmöglichkeiten sollen zum Verweilen sowie Naturbeobachten einladen und für Kinder werden sich zahlreiche Möglichkeiten finden, die Natur zu entdecken.

Vereins-Initiative

Die Öffnung des Flüsschens geht auf die Initiative des Vereins Pro Lutter e. V. zurück. Anfang der 2000-er Jahre gegründet, setzte er sich die Wiederöffnung der Lutter zum Ziel und konnte 2004 als ersten Erfolg die Öffnung eines etwa 125 Meter langen Gewässerabschnitts am Gymnasium am Waldhof verbuchen. Dieser dient seitdem als "Referenzprojekt" und verdeutlicht das Potential einer geöffneten Lutter.

Der 2004 fertig gestellte Abschnitt beim Gymnasium am Waldhof zeigt das Potential der Lutter-Öffnung.

Was lange währt, …

Wegen inhaltlicher Diskussionen, Um- und Neuplanungen sowie aufwendiger Antragstellungen dauerte es einige Jahre, bis nun in der Ravensberger Straße ein weiterer Abschnitt der Lutter-Öffnung in Angriff genommen werden konnte. Martin Enderle vom Verein Pro Lutter e. V. und einer der "Motoren" des Projektes dankte deshalb besonders der Allianz Umweltstiftung, ohne deren langjährige Unterstützung der jetzige Baubeginn nicht möglich gewesen wäre. Denn, so Enderle, "bereits 2010 hatte die Stiftung eine erste Finanzierungszusage für die Lutter-Öffnung gegeben und dem Projekt seitdem die Treue gehalten."

"Eigentlich eine Selbstverständlichkeit," sagte dazu Peter Wilde, Projektmanager der Allianz Umweltstiftung. "Denn die Öffnung der Lutter in Bielefeld ist ein Projekt, das wie maßgeschneidert zu unserem Förderbereich 'Leben in der Stadt' passte. Deshalb haben wir das Vorhaben trotz einiger Verzögerungen weiter unterstützt und freuen uns nun umso mehr über den Baubeginn."

Die Gesamtkosten für die Öffnung des 600 Meter langen Abschnitts in der Ravensberger Straße betragen 3,2 Millionen Euro. 80% davon übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen, 10% die Stadt. Weitere 10% steuert Pro Lutter e. V. bei, 140.000 Euro davon kommen als Fördermittel von der Allianz Umweltstiftung.

Hier noch Animation, ab Frühjahr 2021 Realität: In der Ravensberger Straße fließt die Lutter wieder an der Oberfläche. (Animation: Sönnichsen und Partner)