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"Der Weg ist das Ziel" - so lautet der Titel eines von der Allianz Umweltstiftung im Biosphärengebiet Schwäbische Alb unterstützten Inklusionsprojektes. Es vermittelt Naturerlebnisse für Menschen mit Handicap und sorgt neben der therapeutischen Wirkung für eine stärkere Verbindung zur Region und dem Naturraum. Ende letzten Jahres wurde "Der Weg ist das Ziel" als UN-Dekade-Projekt prämiert, die Übergabe der Auszeichnungen an die Beteiligten erfolgte nun im Rahmen eines Ortstermins.

Berlin/Münsingen, 19. Juli 2021
Plakettenübergabe im Samariterstift Grafeneck: Regierungspräsident Klaus Tappeser (3.v.r.), Achim Nagel, Leiter der Geschäftsstelle des Biosphärengebietes Schwäbische Alb (4.v.r.), Anna Löberbauer, Projektleiterin „Der Weg ist das Ziel“ (4.v.l.) und Peter Wilde, Projektmanager der Allianz Umweltstiftung (2.v.l.), mit den Mitgliedern Projektgruppe und dem Leiter des Samariterstifts Grafeneck. (alle Fotos: Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb)

Natur als Therapieraum

Die Natur ist so vielfältig wie wir Menschen und bietet gerade Personen mit Handicap eine Fülle von Betätigungsmöglichkeiten. Ob der Blumenkasten auf dem Balkon, das Grün vor der Haustüre oder die Parkanlagen und Naturräume der Umgebung - sie können Erfahrungs-, Begegnungs-, Rückzugs-, Lern- und Inspirationsraum werden und sich so positiv auf die Entwicklung sowie das Wohlbefinden der Menschen in sozialen Einrichtungen auswirken. Vor diesem Hintergrund entstand das Projekt "Der Weg ist das Ziel".  Angestoßen und gefördert von der Allianz Umweltstiftung versucht es, Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen die Natur in all Ihrer Vielfalt näher zu bringen und dadurch deren Wertschätzung sowie Verbundenheit zur Natur sowie zur Region zu stärken.

Erarbeitet und umgesetzt wird das Inklusionsprojekt von der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Schwäbische Alb in Zusammenarbeit mit den drei sozialen Einrichtungen BruderhausDiakonie Buttenhausen, Samariterstift Grafeneck und Selbsthilfe Mössingen. Neben barrierefreien Exkursionen zu Wanderschäfern, Kräuter-Workshops und gemeinsamen Landschaftspflegemaßnahmen konnten seit dem Projektstart 2018 zahlreiche weitere inklusive Natur-Aktivitäten durchgeführt werden. 

 

Persönliche Gratulation vom Regierungspräsidenten: Klaus Tappeser und eine Projektteilnehmerin der BruderhausDiakonie. Links ist ein Teil des im Projekt entwickelten und gepflanzten Staudengartens zu sehen.

Ausgezeichnetes Therapieprojekt

Dass die Aktivitäten beispielgebend sind, zeigt die bereits Ende 2020 erfolgte Auszeichnung des Projektes "Der Weg ist das Ziel" im Sonderwettbewerb "Soziale Natur - Natur für alle" der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Die dortige Fachjury lobte besonders, wie das Thema biologische Vielfalt in vorbildlicher Weise in die Lebenswelten von Menschen mit Handicap integriert wird. Coronabedingt wurde die Übergabe der Auszeichnung an die jeweiligen Projektbeteiligten am 30. Juni im Rahmen einer Exkursion zu den Einrichtungen bzw. einem Einsatzort der Selbsthilfe Mössingen nachgeholt.

Dank an die Allianz Umweltstiftung

Klaus Tappeser, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Tübingen und Dienstherr der Geschäftsstelle des Biosphärengebietes Schwäbische Alb, dankte bei der Exkursion neben allen beteiligten Akteuren besonders der Allianz Umweltstiftung. Ohne deren finanzielle und inhaltliche Unterstützung wäre die Umsetzung dieses beispielhaften und nun auch ausgezeichneten Projektes nicht möglich gewesen, so Tappeser.

Achim Nagel, Leiter der Geschäftsstelle des Biosphärengebietes, sagte: "Als Modellprojekt setzen wir uns zum Ziel, einen Impuls zu geben und dadurch zur Fortsetzung oder Nachahmung anzuregen. Wir möchten Mut machen, Projekte gemeinsam mit den Menschen zu entwickeln, und möchten dazu animieren "Grün" im Alltag sozialer Einrichtungen zu integrieren und zu leben."

Dank an die Projektpartner

Peter Wilde, Projektmanager der Allianz Umweltstiftung zeigte sich nach der Exkursion begeistert vom Engagement der Projektbeteiligten. "Was Sie alle hier auf der Schwäbischen Alb entwickelt und umgesetzt haben ist absolut vorbildhaft und nachahmenswert. Wir freuen uns, einen Beitrag zu diesem tollen Projekt geleistet zu haben." Einen besonderen Dank richtete Wilde an Anna Löberbauer, in der Geschäftsstelle für das Projekt zuständige Mitarbeiterin, und, so Wilde, "die Seele des Projektes".

Anna Löberbauer sagte zu dem von ihr betreuten Inklusions-Projekt: "Eins haben alle drei Teilprojekte gemein: Sie tragen den Menschen im Herzen und haben die Natur mit all Ihren Zusammenhängen im Fokus. Dadurch sind sie wie das Leben selbst, stets lebendig, bunt und dynamisch."

Gemeinsam nachdenken: Bei den Treffen der Projektgruppe werden Ideen für unterschiedlichste Natur-Projekte entwickelt. 

Die drei Teilprojekte im Einzelnen:

BruderhausDiakonie Buttenhausen: "Heilsame Wirkung der Natur"

In der BruderhausDiakonie leben Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen, die zur Bewältigung ihres Alltags intensive Unterstützung benötigen. Weil bei Vielen die Eigenmotivation erloschen ist versucht die Therapie, den Antrieb zu wecken und Ängste zu überwinden – und dabei hilft die heilsame Wirkung der Natur.

In einem begleiteten Prozess entwickelten die Projektteilnehmer zahlreiche Ideen, die anschließend in Form von Aktionsterminen umgesetzt wurden. So besuchte die Gruppe einen Wanderschäfer auf der Schwäbischen Alb, setzte sich mit dem artenreichen Lebensraum der Wachholderheide auseinander, genoss ein Winterpicknick an einem Bach, lernte Tipps und Tricks zum Fotografieren von und in der Natur und gestaltete, davon inspiriert, eine "Foto Schmuckwerkstatt".

Das jüngste und im Rahmen der Exkursion vorgestellte Projekt war die Planung und Pflanzung eines Staudengartens auf dem Gelände der BruderhausDiakonie. Über 60 für die Schwäbische Alb typische Pflanzenarten finden sich dort nun – und da die Projektteilnehmer sich inzwischen zu "Pflanzenexperten" entwickelt haben, wollen sie Besuchern zukünftig Pflanzenführungen anbieten.

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Gmeinsam genießen: Aus Wildpflanzen lassen sich leckere Essens-Zutaten herstellen - zum Beispiel Johanniskrautöl.

Samariterstiftung Grafeneck: "Lebenslanges Lernen"

Die Projektgruppe setzt sich aus Menschen mit geistigen, psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen sowie einer großen Spanne an Fähigkeiten zusammen. Unter dem Motto "Lebenslanges Lernen" soll grünes Wissen in den Alltag der Einrichtung integriert werden.

Auch hier wurde zunächst zu einer Ideenwerkstatt eingeladen. Unter anderem entstand der Wunsch, mehr über Kräuter zu erfahren, die bei den alltäglichen Herausforderungen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kreislaufschwächen etc. Abhilfe schaffen. So machte sich die Gruppe auf den Weg, bestimmte Pflanzen, suchte Heilkräuter, ließ sich selbst gemachte Wildkräuterzubereitungen schmecken und gewann ätherische Öle, die sich stimmungsaufhellend und damit heilend auf die Teilnehmer auswirkten.

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Gemeinsam anpacken: Bei den Arbeitseinsätzen der Inklusiven Grüngruppe ist Teamarbeit gefragt.

Inklusive Grüngruppe der Arbeit in Selbsthilfe Mössingen: "Natur und Landschaftspflege - wir hinterfragen Zusammenhänge"

Die inklusive Grüngruppe setzt sich aus Personen zusammen, die vergleichsweise leichte psychische und geistige Beeinträchtigungen aufweisen. Das ermöglicht ihnen eine sozialversicherte Vollzeitbeschäftigung im Bereich der Garten- und Landschaftspflege.

Im Projekt wird versucht, gesellschaftliche Teilhabe anzustoßen, indem Pflegemaßnahmen dort stattfinden, wo andere Menschen Ihre Freizeit verbringen. Im besten Fall entstehen daraus Begegnungen, Gespräche oder sogar ein Mitwirken von Interessierten. So wurden an einem viel begangenen Wanderweg in der Gemeinde Lichtenstein Pflegemaßnahmen im Bereich der Kalkmagerrasen- und Heckenpflege umgesetzt. Am Beginn der jeweiligen Arbeitseinsätze werden Zusammenhänge und Wissen im Bereich Natur und Landschaft vermittelt und ein Vorher-Nachher-Abgleich soll verdeutlichen, was die Pflegemaßnahmen bewirken.

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Patenschaft

Von 2010 bis 2019 hatte die Allianz Umweltstiftung eine Patenschaft für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb übernommen, mit der Projekte gefördert werden sollten, die zu Erhaltung, Pflege und Entwicklung des Gebietes beitragen. Abschlussprojekt dieser Zusammenarbeit war "Der Weg ist das Ziel", das wegen seines erfolgreichen Verlaufs über die eigentliche Patenschaft hinaus bis Ende 2021 verlängert wurde.

Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Die Schwäbische Alb wurde 2008 als Biosphärengebiet ausgewiesen. Auf einer Fläche von 850 Quadratkilometern soll durch unterschiedlichste Projekte und Programme eine Modellregion entstehen, in der erfolgreicher Natur- und Umweltschutz mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der im Gebiet lebenden Menschen verknüpft wird – ein Beispielgebiet für nachhaltige Entwicklung.

UN-Dekade für Biologische Vielfalt

Die Vereinten Nationen hatten die Jahre 2011 bis 2020 zur "UN-Dekade für biologische Vielfalt" erklärt und die Weltöffentlichkeit dazu aufgerufen, sich für die biologische Vielfalt einzusetzen. Davon ausgehend starteten das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) unter selbigem Namen ein eigenes Projekt. Es verfolgt das Ziel, möglichst viele Menschen darüber zu informieren, warum wir die biologische Vielfalt brauchen und wie jeder etwas dazu beitragen kann, sie zu erhalten.

Bausteine des BMU/BfN-Projektes waren Infokampagnen, Aktionen mit ausgewählten Zielgruppen und unterschiedlichste Wettbewerbe, die beispielhafte Aktivitäten zum Schutz der biologischen Vielfalt auszeichneten und damit bekannt machten – wie etwa der Sonderwettbewerb "Soziale Natur - Natur für alle" zur Auszeichnung von Projekten an der Schnittstelle von Natur und sozialen Fragen.