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"»Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung«* – über die Herausforderungen an die Mobilität der Zukunft."- Unter diesem Motto diskutierten Experten aus Wissenschaft, Forschung und Verwaltung bei den 22. Benediktbeurer Gesprächen der Allianz Umweltstiftung. Sie waren sich einig: Ein „Weiter so“ ist die schlechteste aller denkbaren Varianten und die Digitalisierung ein wichtiger Faktor.

Berlin, 24. Mai 2018

Diskutierten über aktuelle und zukünftige Mobilität (v.l.n.r.): Dr. Klaus Wehmeier (Kuratoriumsvorsitzender der Allianz Umweltstiftung), Prof. Dr. Andreas Knie (Professor für Soziologie an der TU Berlin und Leiter der Projektgruppe Mobilität im Wissenschaftszentrum Berlin), Dr. Christoph Vornholt (Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML), Dr. Eileen Mandir (Mobilitätsexpertin und Organisationsentwicklerin), Markus Lewe (Oberbürgermeister der Stadt Münster und Präsident des Deutschen Städtetages) und Dr. Lutz Spandau (Vorstand der Allianz Umweltstiftung).

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Risse im System

"Mobilität ist weltweit ein Ausdruck von Freiheit, Unabhängigkeit, Wohlstand, Individualität und Selbstbestimmung. Kaum etwas prägt das Leben in unserer globalisierten Gesellschaft so sehr wie der Megatrend Mobilität." Mit diesem Worten begrüßte Dr. Klaus Wehmeier, Kuratoriumsvorsitzender der Allianz Umweltstiftung, am Freitag den 4. Mai 2018 etwa 350 Gäste im Allianz Saal des alt-ehrwürdigen Klosters Benediktbeuern in Oberbayern. Allerdings, so Wehmeier, zeige das Gesamtsystem Mobilität tiefgreifende Probleme und Risse. Mobilität habe negative Begleiterscheinungen, die Gesundheit und Lebensqualität beeinträchtigten.

"»Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung«* – über die Herausforderungen an die Mobilität der Zukunft."- zu diesem Thema diskutierten anschließend Prof. Dr. Andreas Knie, Professor für Soziologie an der TU Berlin und Leiter der Projektgruppe Mobilität im Wissenschaftszentrum Berlin, Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster und Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Eileen Mandir, Mobilitätsexpertin und Organisationsentwicklerin sowie Dr. Christoph Vornholt, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML unter der Leitung von Dr. Lutz Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, wie Mobilität vor allem in den Städten umwelt- und klimaschonend, vor allem aber mit möglichst geringen Belastungen für uns Menschen gestaltet werden könne.

Ein "Weiter so" ist unmöglich

Die Probleme, die aus Mobilität entstehen, waren Ausgangspunkt der Einführung von Stiftungsvorstand Spandau. Noch nie habe es so viele PKWs auf deutschen Straßen gegeben, wie jetzt - allen Abgasaffären, Parkplatzproblemen, verstopften Straßen und stetig steigenden Preisen zum Trotz. Obwohl unsere Städte Orte der Begegnung und des Miteinanders sein sollten, begegne man sich allzu oft nur noch im Stau, wo alle warten.

"Der individuelle Straßenverkehr gehört zur Stadt, aber er gehört nicht zum Miteinander. Unser heutiges Verkehrsmodell ist so ausgelegt, dass es dem Auto Vorfahrt gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern einräumt. Fußgänger, Radfahrer, Busse und Bahnen müssen sich allzu oft hinten anstellen. Auch daher ist das Ende des Straßenverkehrs, so wie wir ihn kennen, unausweichlich. Das bisherige Modell stößt an Grenzen, die ein "Weiter so" unmöglich machen. Dass sich etwas ändern muss, steht außer Frage," so Spandau.

Autos schlauer nutzen

Professor Knie zeigte zunächst die Entwicklung Deutschlands zum „Autoland“ auf. Habe das Auto in den 1960-er Jahren ein Schattendasein geführt, sei anschließend durch verschiedenste staatliche Maßnahmen eine Entwicklung angestoßen worden, die uns zum Autoland Nummer 1 machten – mit allen daraus resultierenden Problemen. Die Digitalisierung sieht Knie als neuen Innovationstreiber im Verkehrssektor, der im günstigsten Fall auch zu einer Linderung der Verkehrsprobleme beitragen könne. Ein Beispiel dafür sei das Carsharing, bei dem, sehr zum Leidwesen der Automobilhersteller, nicht mehr die Marke, sondern vor allem die sofortige Verfügbarkeit des Fahrzeugs ausschlaggebend seien. Für die Zukunft des Verkehrs hat Knie ein schlichtes Motto: Autos schlauer nutzen.

Keine Bevormundung

Auch Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster und Präsident des Deutschen Städtetages, sieht die Digitalisierung als einen bedeutenden Faktor im Bereich der Mobilität, der allerdings auch neue Probleme verursache. So führte die Zunahme des Online-Handels zu mehr Lieferverkehr, der die Innenstädte verstopfe. Die Lösung dieses Problems dürfe dabei aber weder die Rückkehr zur Ideologie der autogerechten Stadt noch eine Bevormundung der Verkehrsteilnehmer sein. Vielmehr müssten die verschiedenen Verkehrssysteme optimiert und die Angebote des öffentlichen Personenverkehrs verbessert werden. Die Bürger könnten dann selbst über das jeweils beste Verkehrsmittel entscheiden.

Vorsicht vor Hackern

Dr. Eileen Mandir befasste sich mit einem weiteren Aspekt der Digitalisierung im Verkehrssektor, dem autonomen Fahren. Während das Auto selbständig von A nach B fahre, können sich der Fahrer anderen Dingen oder Tätigkeiten widmen. Die Zeit im Fahrzeug werde deshalb wertvoller, was dazu führen könne, dass mehr Zeit im Auto verbracht werde und der Verkehr deshalb zunehme. Der bestehende städtische Raum, so ihre Prognose, werde deshalb in Zukunft stärker aber auch flexibler reguliert werden. Und auf einen weiteren Aspekt des autonomen Fahrens wies Mandir hin: Wie bei allen vernetzten Systemen sein auch hier die Gefahr des Zugriffs von außen gegeben. "Alles, was vernetzt ist, ist auch hackbar", so Mandir.

Mikrodepots und Lieferroboter

Welche Herausforderungen die aktuellen Einkaufstrends für die Versorgung vor allem der Innenstädte mit sich bringen, beleuchtete Dr. Christoph Vornholt. Onlinehandel und E-Commerce hätten bereits jetzt zu einer starken Zunahme des Lieferverkehrs geführt. Pro Lieferung würden im Durchschnitt nur noch 1,3 Produkte zugestellt und die Kunden verlangten nach immer kürzeren Lieferzeiten. Zusätzliches Verkehrsaufkommen sei zukünftig durch den Onlinehandel mit Lebensmitteln zu erwarten, der in mehreren Städten bereits getestet werde. Nutzungsbeschränkungen in Innenstädten werden deshalb nach Vornholts Einschätzung zunehmen. Andererseits biete die Digitalisierung aber auch Lösungen für Verkehrsprobleme und sei Treiber von Logistikinnovationen. Abholstationen, Mobile-City-Hubs, Mikrodepots, Drohnenlieferung und Lieferroboter waren nur einige der von Vornholt aufgezeigten Möglichkeiten.

Kreativität gefragt

Nach einer lebhaften Diskussion der Experten untereinander und mit dem Publikum gab Moderator Spandau abschließend einen Ausblick auf die Zukunft der Mobilität. Entscheidend für eine Mobilitätswende werde sein, diese nicht gegen die Bevölkerung und Wirtschaft umzusetzen, sondern mit ihnen. Eine Mobilitätswende, die das Ende des Individualverkehrs mit Verboten erreichen wolle, werde scheitern. Gefragt seien neue Konzepte, viel Kreativität und offene Konfliktlösungen. "Für eine Mobilitätswende aber ausschließlich die Politiker, den Staat, die Verwaltung verantwortlich zu machen, wäre nicht nur falsch, sondern auch ignorant. Verantwortlich für das, was auf unseren Straßen passiert, sind wir alle," so Spandau.

Wölfe und Konzertkabarett

Offiziell begonnen hatten die Benediktbeurer Gespräche am Donnerstagabend mit dem Vortrag "Wer hat Angst vorm bösen Wolf – die Rückkehr eines mystifizierten Wildtieres" des renommierten Wildbiologen Ulrich Wotschikowsky. Für den musikalischen Abschluss des Abends sorgte "Gankino Circus", eine vierköpfige Konzertkabarett-Gruppe aus Westmittelfranken, die mit ihrem Auftritt die Gäste der Allianz Umweltstiftung begeisterten.

(*Zitat Kaiser Wilhelm II., 1912)

Dr. Klaus Wehmeier, Kuratoriumsvorsitzender der Allianz Umweltstiftung, begrüßte die Gäste in den alt-ehrwürdigen Mauern des Klosters Benediktbeuern.

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Stiftungsvorstand Dr. Lutz Spandau führte in das Symposium ein und moderierte die Diskussion.

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Dr. Andreas Knie, Professor für Soziologie an der TU Berlin und Leiter der Projektgruppe Mobilität im Wissenschaftszentrum Berlin, zeigte Deutschlands Entwicklung hin zum Autoland Nr. 1.

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Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster und Präsident des Deutschen Städtetages, warnte vor einer Rückkehr zur Ideologie der autogerechten Stadt.

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Dr. Eileen Mandir, Mobilitätsexpertin und Organisationsentwicklerin, warnt im Hinblick auf autonomes Fahren: "Alles, was vernetzt ist, ist auch hackbar!"

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Erwartet eine weitere Zunahme des Lieferverkehrs in unseren Innenstädten: Dr. Christoph Vornholt vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML.

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Informierte über die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland: Ulrich Wotschikowsky.

(Alle Fotos: Gabi Hartmann)

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