Medien und Umwelt: Benediktbeurer Gespräche

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Allianz - bb2001kk

„Machen nur Katastrophen Quoten und Auflagen?“ war die Eingangsfrage der fünften Umweltgespräche im Kloster Benediktbeuern am Freitag, den 4. Mai. Themen waren unter anderem Umweltberichte im Fernsehen, „Öko-Optimismus“ und die Brent Spar-Kampagne.

Benediktbeuern/Oberbayern, 7. Mai 2001

Die Allianz Umweltstiftung konnte ein hochkarätig und kontrovers besetztes Podium präsentieren: Neben dem Vorstand der Stiftung, Lutz Spandau, diskutierten Thilo Bode, bis vor kurzem Geschäftsführer von Greenpeace International, Wolfgang Roth, stellvertretender Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, Helmut Thoma, Medien-Profi und Ex-RTL-Chef sowie Dirk Maxeiner, freier Journalist und Mitautor des Buches „Öko-Optimismus“. 250 Teilnehmer, mehr als je zuvor, hörten zu und diskutierten mit den Vortragenden.

Privatfernsehen: Mehr als kleine Häppchen nicht zu erwarten

„Man darf vom Fernsehen nicht zuviel verlangen“, so lässt sich der Beitrag des Medienberaters und ehemaligen RTL-Chefs Helmut Thoma resümieren. „Elektronische Medien regen nur den Appetit an.“

Das gelte insbesondere für das Privatfernsehen, das sich durch Werbung finanziert. Gerade dessen junge Zielgruppe habe wenig Geduld, deshalb müssten die Beiträge statt einer Minute und 30 Sekunden eher nur 40 Sekunden kurz sein. Allerdings ließe sich durch aufrüttelnde Bilder viel Aufmerksamkeit erregen. Trotzdem nannte der Vorstand der Allianz Umweltstiftung Lutz Spandau diese „knallharte Message“ einen „Schlag ins Kontor“.

Auch Soaps vermitteln Werte

Der Journalist und Buchautor Dirk Maxeiner widersprach der These, Fernsehen könne Umweltthemen nur in kleinen Häppchen servieren. „Was hat ‚Baywatch‘ mit der Umwelt zu tun? Ganz, ganz viel.“ Soap Operas hätten beispielsweise einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Geburtenrate geleistet, da sie unterschwellig ein neues Frauenbild etabliert hätten.

Maxeiner, der in seinem Buch für „Öko-Optimismus“ plädiert, beklagte, dass heute fast nur schlechte Nachrichten wahrgenommen werden. Eine Tatsache, die auch Ex-Greenpeace-Chef Thilo Bode bestätigte: Der Durchbruch zur Rettung der Wälder im kanadischen British Columbia sei weit weniger beachtet worden als die vorangegangene Kampagne. Bilder von Politikern und Wirtschaftsvertretern, die ein Abkommen unterzeichneten, gäben nun einmal weniger her als Bilder von zerstörten Wäldern.

Zurück zu Maxeiner: Man könne sich vom „ständigen Fünf-vor-Zwölf-Gefühl“ befreien, da die seit 30 Jahren prognostizierten Katastrophenszenarien bisher nicht eingetroffen seien. „In Wirklichkeit schreitet die Welt stolpernd voran.“ In den Medien gehe es aber nur noch um Emotionen, nicht um Fakten.

Journalisten sollen versuchen, objektiv zu bleiben

Auch Wolfgang Roth von der Süddeutschen Zeitung widersprach Thoma. Man mache es sich zu einfach, wenn man nur das produziere, was die Menschen sehen und lesen wollten. Tatsächlich beeinflussten Medien und Publikum einander ständig.

Umgekehrt sieht Roth aber auch die Gefahr, dass viele Umweltjournalisten bestimmte Ziele „herbeischreiben“ wollten, statt einfach zu „beschreiben“. Zudem seien Journalisten keineswegs vor Umweltmythen gefeit – beispielsweise der Legende, dass Glas immer besser sei als Plastik.

Umweltthemen in alle Ressorts tragen

Der ehemalige Geschäftsführer von Greenpeace, Thilo Bode, begann seinen Vortrag mit der These: „Der Umweltschutz als soziale Bewegung hat ausgedient, er existiert nicht mehr.“ Statt dessen berührten die abstrakter gewordenen Umweltprobleme nun alle Bereiche der Politik. Ziel müsse es daher sein, Umweltthemen in alle Ressorts zu tragen – insbesondere in die Wirtschaftsressorts, die ständig an Bedeutung gewinnen.

Der Erfolg der „Brent Spar“-Kampagne, bei der Greenpeace im Jahre 1995 den Ölgiganten Shell mit riesigem Medienecho in die Knie zwang, habe sie damals selbst überrascht, berichtete Bode. „Da haben wir wohl einen Nerv getroffen.“ Zwar habe sich Greenpeace später für einen Messfehler entschuldigen müssen, doch sei inzwischen die Entsorgung von Ölplattformen an Land auch durch eine EU-Bestimmung vorgeschrieben – dabei habe Greenpeace sogar mit Shell zusammengearbeitet.

„Ihr Haus werden Sie auch gegen die geringe Gefahr, dass es abbrennt, versichern – oder sind dazu sogar verpflichtet“, führte Bode aus. „Genauso sollten wir uns gegen den Treibhauseffekt versichern, auch wenn Ursachen und Wirkungen noch nicht restlos erforscht sind. Die Prämie ist nicht sehr hoch.

“Ein Fazit dieses eindrucksvollen Symposiums könnte sein, dass die Umweltverbände um professionelle und aufwändige Pressearbeit nicht herumkommen, wenn sie ihre Themen in den Medien wiederfinden wollen. Verkürzungen sind dabei nicht zu vermeiden.Julia Franke, Allianz.com News