Keine goldenen Hundehütten

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Ein Jahr nach der Flut zeigt sich, dass mit Geld allein den Menschen nicht zu helfen ist. "Über die Qualität der Hilfe", sagt Lutz Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, "entscheiden die Kompetenz der helfenden Unternehmen und ihr Engagement vor Ort, nicht die Anzahl der Spendenmillionen."

München, 12.08.2003

AllianzGroup.com News: Bei der Flut vor einem Jahr haben sich viele deutsche Unternehmen engagiert und in der Großzügigkeit ihrer Spenden gegenseitig überboten. Was ist so schlecht daran?

Spandau: An dem Geld ist überhaupt nichts schlecht. Unsere "Sorge" war, dass wir nach den Ereignissen der Oderflut Anfang der neunziger Jahre oder des 11. Septembers vor zwei Jahren erneut die Erfahrung machen würden, diese beeindruckende finanzielle Hilfsbereitschaft nicht an den Mann oder die Frau bringen zu können.

Vor zwei Jahren waren Geld- und Sachspenden in den USA im Überfluss vorhanden. Alle schickten, was sie geben konnten, ohne zu fragen, ob es in dieser Form gebraucht werden kann. Auch hätten wir über unseren Enthusiasmus fast die Menschen in Afghanistan vergessen. Es kann ja nicht nur darum gehen, unser Gewissen zu beruhigen.

Worum geht es denn?

Spandau: Diese wertvolle Hilfsbereitschaft richtig zu nutzen. Das Geld der Allianz stammte wie in manch anderem Fall ja nicht nur aus der Unternehmenskasse, sondern auch Mitarbeiter und teilweise sogar Kunden gaben uns ihr Geld, damit wir etwas Ordentliches daraus machen. Wer einmal erlebt, dass sein mühsam gespartes Geld am Ende auf Konten liegen bleibt oder für "vergoldete Hundehütten" ausgegeben wird, wird vielleicht nie wieder spenden.

Was können Unternehmen denn tun, sie sind doch keine Hilfsorganisation?

Spandau: Aber auch die Unternehmen haben spezifische Kompetenzen, die sie in Katastrophenfällen "gewinnbringend" einsetzen könnten. Die Gründung der Stiftung Allianz Direct Help unmittelbar nach dem 11. September gab uns nicht nur eine bessere Möglichkeit, Spendengelder von Mitarbeitern und Kunden zu sammeln.

Das Kinderfonds Stiftungszentrum in München, unter dessen Dach unsere Stiftung seither bei Katastrophenfällen arbeitet, stellt uns auch die nötige Infrastruktur und nimmt uns viel Arbeit ab. So konnte sich die Allianz Umweltstiftung als eines von sechs gesellschaftlichen Kompetenzzentren der Allianz auf eine ihrer besonderen Fähigkeiten, die Einschätzung und Behebung von Umweltschäden konzentrieren.

Heißt das, Sie waren selbst vor Ort?

Spandau: Ja, wir haben nicht pauschal Geld überwiesen, sondern Projektanträge entwickelt, ausfüllen lassen und fast alle Projekte selbst vor Ort geprüft. Wir haben uns auf Opfer konzentriert, die von keiner anderen Seite ausreichend Hilfe zu erwarten hatten. Auch sollten unsere Spenden kein Ersatz für einen fahrlässigen Mangel an Versicherungsschutz sein.

Eine Riesenhilfe bei unseren Recherchen und auch bei der Betreuung der Betroffenen waren die wirklich sach- und ortskundigen Allianz Vertreter, die für ihre Kunden ja fast rund um die Uhr überall dort waren, wo Hilfe notwendig war.

Inzwischen sind fast alle Folgen der Flut beseitigt. Ist die Stiftung Allianz Direct Help nun arbeitslos?

Spandau: Nein. Neben der Soforthilfe für betroffene Familien, Jugendzentren und wichtige soziale Einrichtungen, neben unserer Unterstützung für die zahlreichen Feuerwehren und Hilfsdienste vor Ort, haben wir eine Reihe von Umweltschutzprojekten, die uns noch einige Zeit beschäftigen werden.

Im Dessau-Wörlitzer Gartenreich zum Beispiel sind Teiche "umgekippt", weil Strohballen nach der Ernte nicht von den Feldern geholt werden konnten und durch die Flut in Seen und Teiche gespült wurden, wo sie dann vermoderten. Wir haben ein Programm gestartet, in dem wir mit arbeitslosen Jugendlichen nun diese Teiche sanieren. Ein Prinzip übrigens – Umweltschutz und Arbeitsplätze schaffen – das bei unserer Umweltstiftung sehr erfolgreich ist und daher häufig Anwendung findet.

Noch nachhaltiger ist die Einrichtung unseres Lehrstuhls für Landschaftsmanagement an der renommierten TU München in Freising-Weihenstephan ausgelegt. Hier wollen wir weiter forschen, wie wir durch Differenzierte Landnutzung und andere kluge Methoden Flutkatastrophen zukünftig verhindern oder zumindest abschwächen können. Dann könnten wir uns bei der Katastrophenhilfe auf Geschehnisse konzentrieren, die wirklich unvermeidbar sind.

Das Interview führte Nicolai Tewes für AllianzGroup.com News.