Benediktbeurer Gespräche zur Rolle der Mobilität

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Allianz - bb2004kk

Die Allianz Umweltstiftung lud zum achten Mal zu den Benediktbeurer Gesprächen: Vier unterschiedliche Experten diskutierten über physische und geistige Mobilität in der modernen Gesellschaft.

Benediktbeuern, 13. Mai 2004

"Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann"* - dieses Zitat des Malers Francis Picabia stand über den diesjährigen, den achten "Benediktbeurer Gesprächen" der Allianz Umweltstiftung am 7. Mai 2004. Damit war klar: Das Thema "Mobilität in der modernen Gesellschaft" ist breit gefasst und nicht auf den Verkehr beschränkt.

Ein Professor, die Chefin eines Zeitarbeits-Unternehmens, (West-)Deutschlands bekanntester Astronaut und der Vorstand eines innovativen Automobilherstellers sprachen und diskutierten vor über 300 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien. Das Symposium fand am Zentrum für Umwelt und Kultur im oberbayerischen Kloster Benediktbeuern statt.

Beweglicher oder zu transportierender Mensch?

In seiner Einführung unterschied der Vorstand der Allianz Umweltstiftung, Lutz Spandau, zwischen dem "homo mobilis" und dem "homo transportandum", der sich nur transportieren lässt. "Ist der Lohn für die Beschleunigung nicht denkbar mager?", fragte Spandau.

Das zweite Kernthema des Symposiums bildete die Mobilität in der Arbeitswelt, deren Schattenseiten Spandau nicht verschwieg: 75 Prozent aller mobilen Frauen seien kinderlos.

"Mobilitätsfahrplan Deutschland"

Birger P. Priddat, Professor für Politische Ökonomie an der privaten Zeppelin University in Friedrichshafen, forderte eine größere geistige Mobilität. Gerade in der Reiselust der Deutschen zeige sich, dass physische Mobilität nicht immer den Horizont erweitert: "Wir erfahren fast nichts von anderen Welten, auch wenn wir inmitten von ihnen stecken."

Das deutsche Bildungssystem hält Priddat für "besser als wir glauben" - das zeige schon die Attraktivität deutscher Naturwissenschaftler im Ausland. Trotzdem müssten deutsche Schulen und Universitäten stärker lehren, wie man Probleme löst, statt Lehrbuchwissen zu vermitteln. "Bei Bildung und Forschung geht es nicht um das Füllen eines Fasses, sondern um das Entzünden eines Feuers", formulierte Priddat.

Arbeitswelt: Deutsche mobiler, als viele meinen

In der Arbeitswelt hingegen sei die deutsche Gesellschaft mobiler geworden - wenn auch nicht freiwillig. Vor allem aus dem Osten Deutschlands, aber zunehmend aus dem Westen suchen junge Arbeitnehmer ihr Glück anderswo. Durch diese "Mobilität der Schrumpfung" entstünden "Arbeitsmarkt- und Kapitalwüsten". Deutschland müsse seine Attraktivität deutlich erhöhen, fordert Priddat, um von der europäischen Arbeitsmigration auch zu profitieren.

Ingrid Hofmann stellte dem Benediktbeurer Symposium in ihrem Beitrag "Zeitarbeit - gelebte Mobilität" ihr Unternehmen und die Idee der Zeitarbeit vor. Personal-Dienstleister könnten bis 2010 rund vier Millionen neue Arbeitplätze in Europa schaffen - das prognostiziert zumindest eine von ihr zitierte McKinsey-Studie. Hofmanns Erfahrung: "Viele Menschen sind sehr viel flexibler und mobiler, als wir meinen."

Beschleunigung auf 30.000 km/h und 100 km/h

In der zweiten Hälfte der Gespräche ging es verstärkt um die physische Mobilität oder "Transportabilität" des Menschen: Der Physiker und Astronaut Ulf Merbold schilderte plastisch seine Erfahrungen mit der Beschleunigung auf 30.000 Stundenkilometer, der anschließenden Schwerelosigkeit und dem Dasein als "professionelle Laborratte". Von oben sähe man erst, wie klein und verwundbar das "Raumschiff Erde" sei.

Gerhard Heilmaier, Vorstand der Loremo AG, "bremste" nach seinen Worten das Symposion wieder "auf hundert Kilometer Landstraßen-Geschwindigkeit ab". Der "Loremo L22" soll nur 1,5 Liter Diesel pro 100 km verbrauchen - und das bei einem Anschaffungspreis von etwa 11.000 Euro.

Das Äußere des Loremo folgt aerodynamischen Prinzipien.

Eine seiner Grundideen bildet das "Prinzip des Nagels": So wie ein gerader Nagel Kräfte von oben direkt weiterleitet, so schützen die drei geraden Längsträger im Loremo seine Passagiere bei Zusammenstößen besser als die übliche "Karosserie-Außenhaut". Durch diese Stabilität in der Basis konnte der Loremo außen nach rein aerodynamischen Kriterien gestaltet werden. Spätestens 2008 soll der Loremo L22 auf den Markt kommen und den Autobau revolutionieren.

Zum Abschluss betonte der Kuratoriumsvorsitzende der Allianz Umweltstiftung, Dieter Stolte, erneut, dass die Zukunftsaufgaben der Gesellschaft nur mit einer großen Flexibilität und Mobilität in den Köpfen der Menschen zu bewältigen sind.

Quelle: AllianzGroup.com News

* Francis Picabia, das gleichnamige Buch ist bei der Edition Nautilus, Hamburg, erschienen (ISBN 3-89401-371-0)