100 Jahre Breitachklamm: Infozentrum wird eröffnet.

Mehr Informationen

Allianz Umweltstiftung

Pariser Platz 6, 10117 Berlin

Telefon: 030 / 20 67 15 95 – 50

Telefax: 030 / 20 67 15 95 – 60

info@allianz-umweltstiftung.de

Hier können Sie eine Nachricht verfassen

Hier können Sie weiteres Informationsmaterial bestellen.

Besuchen Sie auch die Seite der
Kulturstiftung

  • Kontakt
  • Bestellen
  • Kulturstiftung
Allianz - DSCN9270

Die Breitachklamm bei Oberstdorf ist die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas, erst seit 100 Jahren ist sie für jeden begehbar. Zum Jubiläum wird am 9. Dezember im neuen Eingangsgebäude der Klamm ein Informationszentrum eröffnet - mit Unterstützung der Allianz Umweltstiftung.

München, 28. November 2005

1600 Meter lang, fast 100 Meter tief und mit einem Gefälle von 57 Grad zählt die Breitachklamm zu den spektakulärsten Naturschauspielen in den Alpen. Jährlich strömen 300.000 Besucher durch die steil aufragenden Felswände, die die Breitach im Bereich des so genannten Zwing bis auf beklemmende zwei Meter zusammenpressen. Um so wilder gebärdet sie sich: Sie rauscht, sie brodelt, sie kocht und dröhnt, der Widerhall der donnernden Fluten ist ohrenbetäubend.

Kein Wunder, dass der Zwing lange Zeit als sagenumwobener Ort galt, von dem man sich möglichst fern hielt.

1875 wagte sich der erste Mutige hinab

Es dauerte bis zum Dezember 1875, bis sich der erste Mutige hinabwagte – und das auch nur, weil 25 Gulden Belohnung winkten. Zuvor war ein kapitaler Hirsch angeschossen 70 Meter tief in den Zwing gestürzt. Seraphim Schöll aus Tiefenbach bei Oberstdorf fasste sich ein Herz – und schickte seinen Helfer Speiser vor.

Der wurde nun ins Hexenreich herabgelassen, wo er daran ging, die Hinterläufe des Hirschs an einem Seil festzuzurren. Der aber, gute drei Zentner schwer, blieb an einem überhängenden Felsabsatz hängen und ließ sich partout nicht nach oben hieven.

Jetzt seilte Schöll sich selbst ab: In der vereisten Schlucht, frei schwebend, begann er, den kopfüber hängenden Hirsch fachgerecht auszuweiden. Auf diese Weise um Etliches erleichtert, konnte das Tier schließlich zurück ans Tageslicht befördert werden.

Pfarrer erkannte das touristische Potential

Die halsbrecherische Aktion war das nachweislich erste Erkundungsunternehmen in der inneren Klamm. Danach dauerte es allerdings noch mal 30 Jahre, bevor sie für die Allgemeinheit zugänglich wurde.

Und das dank eines jungen Pfarrers, der in dem Naturwunder nicht nur eine Meisterleistung göttlicher Schöpfungskraft erkannte, sondern auch eine Touristenattraktion ersten Ranges.

Johannes Schiebel muss ein Sturkopf vor dem Herrn gewesen sein, der sich auch durch Widerstände und Bedenkenträger nicht von seinem Vorhaben abbringen ließ. Das Königliche Bezirksamt lehnte die Erschließung jedoch wegen des hohen finanziellen Risikos ab. Auch der Alpenverein fand das Vorhaben reichlich abwegig. Daraufhin gründete Schiebel 1904 seinen eigenen Verein, dessen Mitglieder das Geld für die Bauarbeiten zusammenbrachten.

Ein knappes Jahr später war die Trasse durch die 1600 Meter lange Klamm gelegt, 1000 Meter davon mit 7000 Sprengungen begehbar gemacht. Am 5. Juni 1905 wurde sie offiziell eröffnet. "Das große Werk ist vollbracht", schrieb Pfarrer Schiebel in sein Tagebuch. "Die Felskammern des wilden Zwing sind aufgebrochen."

Über 20 Millionen Besucher in 100 Jahren

TexSeit jener Zeit haben sich weit über 20 Millionen Menschen durch die Schlucht gezwängt, die die Breitach während der letzten 10.000 Jahre ins Gestein gesägt hat, vorbei an bedrohlich überhängenden Vorsprüngen, ausgeschliffenen Wassermulden und steil aufragenden Felswänden.t

Obwohl der Heilige Christophorus als Schutzpatron über der Klamm wacht, gab es schon ein Jahr nach Eröffnung den ersten großen Hochwasserschaden. In den folgenden Jahrzehnten spielte der Gebirgsfluss immer wieder mal verrückt, spülte die Wege fort und riss die Geländer mit. Kurz nach Kriegsende 1945 mussten die Eingänge zur Klamm sogar zugemauert werden, weil Material fehlte, um die entstandenen Schäden zu beseitigen. Erst im Frühjahr 1949 wurde sie wieder für den Besucherverkehr geöffnet.

Richtig dick kam es am 24. September 1995, als sich morgens gegen 5.30 Uhr ein gigantischer Felsblock von 50.000 Kubikmetern Größe aus der Wand löste und 70 Meter in die Tiefe stürzte. Gutes Timing: Die Klamm war an jenem Sonntagmorgen noch geschlossen. Nach dem Bergsturz bildete sich in der oberen Klamm ein 200 Meter langer und sieben Meter tiefer Stausee.

Heiliger Christophorus!

Am 23. März 1996 gegen 11.30 Uhr räumte die Breitach den Weg auf einen Schlag wieder frei. Eine Sturzflut von 300.000 Kubikmeter schoss binnen kürzester Zeit durch die Schlucht und riss alles mit sich – Wege, Brücken, Geländer, nichts hielt stand.

Ein Zufall hatte aber auch diesmal dafür gesorgt, dass niemand zu Schaden kam: Wegen des starken Tauwetters war die Klamm an jenem Tag gesperrt, und Leo Vogler, der technische Leiter, der eigentlich seinen Inspektionsgang geplant hatte, war aufgehalten worden. Heiliger Christophorus, das war knapp.

Im August 2005 floss erneut Hochwasser durch die Klamm. Wege und Stege wurden um bis zu sechs Meter vom Wasser überspült und teilweise stark beschädigt oder vollständig weggerissen. Seitdem arbeitet man fieberhaft daran, die Schäden zu beseitigen, um die Klamm rechtzeitig zur Wintersaison wieder öffnen zu können. Bei den Bauarbeiten kommen sogar Seilbahntechnik und Hubschrauber zum Einsatz.

Interaktives Informationszentrum

Im vergangenen Jahr ist am unteren Zugang zur Klamm ein neues Eingangsgebäude eröffnet worden. Zusammen mit der Allianz Umweltstiftung richtet der Breitachklammverein dort derzeit ein Informationszentrum ein, in dem sowohl die naturwissenschaftlichen Hintergründe erläutert, als auch Geschichte und Geschichten rund um die Breitachklamm erzählt werden. Am 9. Dezember wird es offiziell eröffnet und ist dann ab 16. Dezember für die Besucher zugänglich.

"Es handelt sich um einen außergewöhnlichen Naturraum", sagt Stiftungsvorstand Lutz Spandau. "Wir wollen Besucher aus verschiedenen Blickwinkeln auf dieses Erlebnis und die Mystik des Ortes einstimmen. "

Mittelpunkt des Inforaumes ist ein detailgetreues Modell der Klamm, in das die Besucher interaktiv eingreifen können. So gibt es die Möglichkeit, den Wasserdurchfluss zu ändern, um die Wirkungen von Hoch- und Niedrigwasser sichtbar zu machen. Je nach Interessenslage können sich die Besucher auch unterschiedlich intensiv über Entstehung, Geologie oder Pflanzen und Tiere der Klamm informieren. "Im Vordergrund aber", so Spandau, "soll in jedem Fall das Naturerlebnis selbst stehen."

Kein Wunder, dass der Zwing lange Zeit als sagenumwobener Ort galt, von dem man sich möglichst fern hielt.

Das übrigens lässt sich nicht nur in der eisfreien Zeit genießen. Im Winter verwandelt sich die Breitachklamm in eine einzigartige Kristallwelt, die stürmischen Wasser des Sommers erstarren zu bizarren Eisgebilden, die sich hier und da zu gewaltigen Vorhängen zusammenschieben. "In dieser unregulierten Schönheit", sagt Lutz Spandau, "gibt es das nur in Bayern."

allianz.com, Julia Franke