Vogelgrippe stoppt Zwerggans-Projekt

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Allianz - zwerggans

Nach mehrjähriger Vorbereitung war das Projekt zur Rettung der vom Aussterben bedrohten Zwerggans endlich startklar: Im Mai sollten die ersten Küken schlüpfen, für August war die Reise der von Ultraleichtflugzeugen angeführten Zwerggänse von Schweden an den Niederrhein geplant. Wegen des Auftretens der Vogelgrippe in Europa wurde das Projekt nun vorläufig gestoppt.

München, 15. März 2006

Zwerggans

Trotz zahlreicher Schutzmaßnahmen ist die skandinavische Zwerggans vom Aussterben bedroht. Von ehemals über 10.000 Gänsen sind inzwischen nur noch etwa 10 bis 15 Brutpaare übrig geblieben. Grund für diesen Rückgang ist die Jagd, der die Zwerggänse auf ihren Flügen aus den nordeuropäischen Brutregionen in die Überwinterungsgebiete in Osteuropa teilweise ausgesetzt sind.

Zwerggans-Projekt

Seit über fünf Jahren laufen die Vorbereitungen zu einem von der Allianz Umweltstiftung unterstützten Projekt zur Rettung der Zwerggans: Mit Hilfe von Ultraleichtflugzeugen soll jungen Zwerggänsen eine ehemalige, heute weitgehend sichere Zugroute von ihrem Sommerquartier in ein Überwinterungsgebiet am Niederrhein gezeigt werden. Dabei nutzt man die Besonderheit, dass, anders als bei Singvögeln, die Zugroute bei Gänsen nicht angeboren ist. Gänse lernen den Weg in das Winterquartier auf ihrem ersten Flug mit den Eltern.

In diese „Elternrolle“ schlüpfen die Piloten der Ultraleichtflugzeuge und zeigen den jungen Gänsen den Weg aus dem nordschwedischen Lappland bis auf die Bislicher Insel am Niederrhein. Dort werden die Gänse dann ausgewildert und fliegen im nächsten Frühjahr wieder selbständig zurück in ihr Brutgebiet nach Lappland. Mit dieser Methode könnte innerhalb eines überschaubaren Zeitraums das Aussterben der skandinavischen Zwerggänse abgewendet werden.

Vorbereitungen abgeschlossen

Nach intensiven Vorbereitungen standen zu Beginn dieses Jahres alle Signale auf Grün: Sämtliche Genehmigungen waren erteilt und die Ultraleichtflugzeuge bestellt. Die Piloten und Betreuer hatten ihre Urlaube eingereicht und sich freistellen lassen um ab Mai die „Elternrolle“ für die jungen Zwerggänse zu übernehmen. Die für August vorgesehene Reise von Lappland an den Niederrhein sollte von einem Kamerateam begleitet werden, die ARD plante Live-Übertragungen und Reportagen.

Vogelgrippe

Mit dem Auftreten der Vogelgrippe in Deutschland und anderen europäischen Ländern haben sich die Rahmenbedingungen für die Durchführung des Projektes grundlegend geändert. Die Projektpartner haben die Entwicklung der letzten Wochen und Monate aufmerksam verfolgt, zahlreiche Experten befragt und die Konsequenzen für das gemeinsame Vorhaben diskutiert.

Aufzucht und Flug gefährdet

Nach derzeitigem Stand ist die planmäßige Umsetzung des Zwerggans-Projektes durch Maßnahmen, mit denen aktuell und zukünftig eine Ausbreitung der Tierseuche verhindert werden soll, gefährdet und könnte gegebenenfalls unmöglich werden. Sollte etwa für die an dem Projekt beteiligten Zuchtstationen eine Stallpflicht verhängt werden, könnten, da die Gänse nur im Freien brüten, keine jungen Zwerggänse aufgezogen werden.

Große Probleme könnten auch während des Fluges der Ultraleichtflugzeuge und Gänse von Lappland an die Bislicher Insel entstehen. Sollten entlang der geplanten Zugroute Tiere gefunden werden, die mit Vogelgrippe infiziert sind, dürfte in den um die Fundorte eingerichteten Sperr- und Beobachtungszonen voraussichtlich weder gelandet noch gestartet werden. Große Umwege oder gar der vorzeitige Abbruch des Zugs wären die Folge.

Risiko Vogelzug?

Die Ausbreitungs- und Übertragungswege der Tierseuche sind derzeit noch nicht genau bekannt. Ein Großteil der aktuellen Schutzmaßnahmen besteht deshalb darin, potentielle Verbreitungswege zu unterbinden. Dabei stehen auch Zugvögel in Verdacht, zur Ausbreitung der Tierseuche beizutragen. Entsprechende Sorgen der Bevölkerung, von Experten und verantwortlichen Politikern sind mit in die Entscheidung zum weiteren Vorgehen eingeflossen.

Abwarten

Nach ausführlicher Diskussion und sorgfältiger Abwägung aller potentieller Risiken haben die Projektpartner beschlossen, das Projekt in diesem Jahr nicht zu starten und die zukünftige Entwicklung abzuwarten.