Wildkatzen und Bergwald

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Seit vier Jahren unterstützt die Allianz Umweltstiftung ein Projekt zum Schutz der Wildkatze in der Rhön. Hilfe für die scheue Tierart kam nun zusätzlich vom Bergwaldprojekt e. V.: 30 freiwillige Helfer waren in den vergangenen zwei Wochen im Einsatz und machten sich selbst überlassene Steinbrüche und Waldwiesen "wildkatzentauglich."


Berlin, 22. August 2012

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Vom Bergwald in die Rhön

Glücklicherweise täuscht der Name: Der Verein Bergwaldprojekt e. V. beschränkt seine Aktivitäten nicht nur auf den Bergwald der Alpen, sondern ist deutschlandweit auch in flacheren Regionen aktiv. Er organisiert Arbeitseinsätze für Freiwillige in Wäldern, die so einen aktiven Beitrag zum Wald-, Klima- sowie Artenschutz leisten und nebenbei viel Interessantes über das Ökosystem Wald lernen

In der Rhön stand in den letzten beiden Wochen die Entbuschung von zwei sich seit Jahren selbst überlassenen Steinbrüchen und Waldwiesen auf dem Programm. Ein Abendvortrag über die Wildkatze und ein Exkursionsnachmittag rundeten das Programm der Waldschützer ab.

Voller Einsatz in schwierigem Gelände: Die Freiwilligen des Bergwaldprojekt e. V. fällen Bäume und Büsche in einem ehemaligen Steinbruch (Foto: Axel Jakob).

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Wildkatzen-Projekt

Der Arbeitseinsatz des Bergwaldprojekt e. V. ist Teil des Projektes "Die Wildkatze in der Rhön – auf leisen Pfoten in eine sichere Zukunft". Mit Unterstützung der Allianz Umweltstiftung und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) versucht der Verein RhönNatur e. V. dabei durch unterschiedlichste Maßnahmen die Lebensbedingungen für die Wildkatze im Biosphärenreservat Rhön zu verbessern und ihr so die natürliche Ausbreitung zu erleichtern.

Jagdreviere und Verstecke für die Wildkatze

Eine Möglichkeit, die Wildkatze zu unterstützen ist die Anlage von Geheckplätzen. Das sind große Haufen aus Ästen, Laub und Reisig, die Wildkatzen als Verstecke und zur Aufzucht ihrer Jungen dienen sollen. Dass von Menschen geschaffene Geheckplätze von Wildkatzen tatsächlich angenommen werden, konnte im letzten Jahr bereits gezeigt werden (Siehe News-Meldungen "Von Wildkatzen und Wanderratten" und "Wildkatze im Wanderratten-Versteck").

Eine andere Form der Wildkatzen-Hilfe ist die Schaffung kleiner Lichtungen in Wäldern oder die Auflockerung von Waldrändern. Denn dort bieten sich den Wildkatzen dann beste Bedingungen bei der Jagd auf ihre Hauptnahrungsquelle Mäuse.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Die Bergwaldprojekt-Aktion kombinierte die beiden Wildkatzen-Hilfsmaßnahmen: Das Entbuschen der Steinbrüche schuf zahlreiche Flächen, auf denen nun Wildkatzen auf Mäusejagd gehen können. Und das zu großen Haufen aufgeschichtete Schnittgut bietet ihnen Unterschlupf und die Möglichkeit, sich selbst und ihre Jungen zu verstecken.

"So haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen", erläuterte Ulrike Schade, Geschäftsführerin von RhönNatur e.V. Sie hat die Arbeitsaktion vorbereitet und gemeinsam mit dem Projekteiter von Bergwaldprojekt e. V., Axel Jakob, beaufsichtigt. Jakob zum Abschluss der Arbeiten: "Wir freuen uns, einen Beitrag zum Wohlergehen der Wildkatze in der Rhön geleistet zu haben. Nun bleibt zu hoffen, dass die Wildkatzen den für sie maßgeschneiderten Lebensraum auch annehmen."

Vier Teilpopulationen in der Rhön

Den Ort des Arbeitseinsatzes hatte Ulrike Schade gezielt ausgewählt. Denn im Rahmen des Wildkatzen-Projektes von Allianz Umweltstiftung, ZGF und RhönNatur e. V. waren zuletzt alle in den vergangenen Jahren in der Rhön gesammelten Wildkatzen-Haarproben genetisch analysiert worden.

Die Untersuchungen zeigten nicht nur, wo genau die Wildkatze in der Rhön vorkommt, es konnten sogar einzelne Individuen unterschieden und Verwandtschaften zwischen einzelnen Katzen festgestellt werden. Die Ergebnisse lassen auf vier verschiedene Wildkatzen-Teilpopulationen in der Rhön schließen, die voneinander isoliert und nur in Einzelfällen miteinander verwandt sind.

Die Wildkatze in der Rhön: Vier Teilpopulationen deuten auf Barrieren in der Landschaft hin.

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Drei Wanderungskorridore durch die Rhön

Die vier Teilpopulationen lassen vermuten, dass die Wildkatze bei ihren Wanderungen auf Hindernisse stößt. "Ungehinderte Wanderungen sind für die Wildkatze aber von großer Bedeutung, denn sie sichern den genetischen Austausch zwischen den verschiedenen Wildkatzen-Populationen," erklärt dazu Peter Wilde, Projektmanager der Allianz Umweltstiftung. "Findet dieser nicht statt, kommt es letztlich zur genetischen Verarmung der Populationen die ihr dauerhaftes Überleben gefährdet," so Wilde.

Mit Hilfe eines Computerprogramms entstand deshalb im Rahmen des Wildkatzen-Projektes ein so genanntes "Korridor-Modell". Dabei wurde erfasst, wo bereits für die Wildkatze geeignete Wälder sowie Wildkatzen-Wanderwege (z. B. Hecken, Gebüsch- oder Baumreihen) vorhanden sind und wie diese mit möglichst geringem Aufwand miteinander verknüpft werden können.

Resultat sind drei "Groß-Korridore", in denen die Wildkatze durch abwechslungsreiche Wälder, entlang von Hecken und Gebüschreihen und über extensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen ungestört durch die Rhön wandern kann. Nur an wenigen Stellen dieser Korridore bestehen noch größere Lücken, die in den kommenden Jahren nach und nach geschlossen werden sollen – zum Beispiel durch Aktionen wie der des Bergwaldprojekt e. V.

Wanderwege einmal anders: Drei Korridore sollen der Wildkatze die gefahrlose Wanderung durch die Rhön ermöglichen.

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Detaillierte Informationen zu den genetischen Untersuchungen und zum Korridormodell finden sich auf der Homepage von RhönNatur e. V.

www.rhoennatur.de


Kleines Foto Wildkatze: Wolfgang Fremuth.

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